Polyamide (PA6/PA66) treten in die „große Wiederverwertung“ ein — chemisches Recycling geht von Pilotprojekten in die Praxis über
Polyamide (PA6/PA66) sind eines der Schlüsselmaterialien für technische Spritzgussteile (Automobilkomponenten, Befestigungen, Gehäuseteile, Konstruktionselemente). Historisch hatten sie jedoch eine Schwachstelle: hochwertiges Recycling von „komplexen“ Polyamidabfällen (verschmutzt, mit Zusätzen, aus gemischten Strömen) ist deutlich schwieriger als bei einfachen Verpackungskunststoffen.
In den Jahren 2025–2026 ändert sich die Situation spürbar: Große Chemieunternehmen und Engineering-Zentren zeigen, dass Polyamid in Form von „neuem Granulat“ zurückgeführt werden kann für technische Anwendungen — durch chemische Depolymerisation zu Monomeren, Reinigung und erneute Polymerisation.
Was weltweit passiert
1) Automobilindustrie: BASF präsentierte zwei PA6-Recyclingtechnologien aus Altfahrzeugen (K 2025)
BASF stellte zwei Recyclingwege für Polyamid 6 aus Altfahrzeugen vor:
- Depolymerisation (Zerlegung von Polyamid in Monomere mit anschließender Reinigung, um Verunreinigungen aus der Lebensdauer des Bauteils zu entfernen).
- Lösungsmittelbasierte Technologie (selektives Lösen des Polymers, Reinigung und Rückführung in PA6-Compound).
In Pilotprojekten demonstrierten BASF-Partner „nahezu serielle“ Beispiele:
- ZF recycelte gebrauchte Ölwanne/Behälter aus Autos zu Sekundärmaterial und fertigte ein komplexes Bauteil für Mercedes-Benz (Stabilisator-Verbindungsstück).
- Pöppelmann validierte die lösungsmittelbasierte Technologie an einer seriennahen Steuerkettenschiene für Mercedes-Benz unter nahezu Serienbedingungen.
BASF betont das Ausmaß des Problems: Im Durchschnitt werden rund 200 kg Kunststoff pro Fahrzeug häufig verbrannt, und neue Ansätze sollen diese Logik ändern.
2) Textil → Granulat: BASF startete kommerzielle Produktionsstätte für recyceltes PA6 (Loopamid) in Shanghai
Im Jahr 2025 kündigte BASF die Produktion von Loopamid — recyceltem PA6 aus Textilabfällen mit einer Anlage in Caojing (Shanghai) und einer Kapazität von 500 t/Jahr an. Das Unternehmen gibt an, dass die Materialeigenschaften identisch mit Primär-PA6 sind, und das Produkt nach Global Recycled Standard (GRS) zertifiziert ist.
3) PA66: Toray beschleunigt chemisches Recycling von „komplexem“ Nylon 66
Toray Industries (Japan) beschrieb 2025 ein neues chemisches Recyclingverfahren für Nylon 66 (PA66) mittels Depolymerisation in subkritischem Wasser — es entstehen Monomere, die wieder zu PA66 polymerisiert werden können. Das Unternehmen verknüpft das Interesse mit strengeren Anforderungen an Kunststoffrecycling in der Automobilindustrie und nennt Beispiele für PA66 in technischen Produkten (Airbags, Kühlerbehälter, Abdeckungen etc.).
4) Meeresabfälle → technische Produkte: Recycling von Polyamid-Fischnetzen in Europa
Das Projekt Redes4Value (Spanien) zielt darauf ab, Polyamid aus ausgedienten Fischernetzen in die Produktion zurückzuführen — mit Fokus auf mechanische + chemische Prozesse, um Sekundärpolyamid für Automobilkomponenten und andere Produkte zu gewinnen. Forscher erwähnen die Optimierung der Depolymerisationsbedingungen und die Rückgewinnung hochreiner Monomere in Labor- und Pilotphasen.
Warum das für Spritzguss (und Polyamidprodukte) wichtig ist
Für den Markt technischer Kunststoffe ist der zentrale Wert des chemischen Recyclings:
- Entfernung von „historischen“ Verunreinigungen (Öle, Farbstoffe, Abbauprodukte, Fremdpolymere) auf Monomerstufe — erhöht die Qualität des Sekundärmaterials für anspruchsvolle Bauteile;
- Reale Beispiele für Materialrückführung „Auto → Auto“ (nicht nur Downcycling in Sekundärprodukte);
- Marktsignal: recyceltes Polyamid hört allmählich auf, ein „Kompromiss für Billigteile“ zu sein und kann in technische Produkte einfließen — mit korrekter Technologie und Kontrolle.
Praktische Checkliste für den Einkauf von Polyamid für Spritzguss
Wenn in Ihrer Produktion PA6/PA66 verwendet wird (oder geplant ist), sollten folgende Punkte in der Anfrage an den Lieferanten enthalten sein:
- Herkunft des Rohmaterials: aus welchen Strömen (Automobil, Textil, Industrieabfälle, gemischt).
- Recyclingweg: mechanisch oder chemisch (Monomer) — beeinflusst Stabilität und Verunreinigungen.
- MVR/Viscosität Stabilität und Chargentoleranzen.
- Glasfaser/Füllstoffe: Anteil, Typ, Abriebkontrolle (wichtig für Schnecke/Form).
- Feuchtigkeit und Trocknungsempfehlungen (kritisch für Polyamide).
- Erklärungen zu Verunreinigungen/Einschränkungen (besonders bei Lieferung in die EU oder an internationale Kunden).